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09.04.2017

Nr. 6: Von Start Ups und Oldies – Legal Tech Tour

Silicon Valley Reisetagebuch 2017 von Markus Hartung

Hier zunächst noch einmal etwas Material zur Future Law Conference 2017: Einmal der Blog von Markus Sauerwald, dann aber auch die Konferenzwebsite.

Am Tag darauf haben wir die ganze Bandbreite des Silicon Valleys erlebt, von der Gründung in der Garage bis zum futuristischen Raumschiff-ähnlichen Campus eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Morgens gab es einen Workshop mit dem CodeX an der Stanford Law School, in dem sich mehrere Start Ups vorgestellt haben. Nach einem langen Spaziergang über den wunderbaren Campus der Stanford University ging es auf Tour zu Intel, Google und Apple.

Die Gründer, die morgens ihre Unternehmen vorstellten, waren alle Fellows des CodeX. Ihre Unternehmensgründungen sind längst den ersten Ideen entwachsen, einige werden bereits sehr umfangreich eingesetzt und sind wirtschaftlich erfolgreich. Alle haben von dem Gründungsklima an der Stanford University profitiert, wo alle Ideen nachhaltig gefördert und, mindestens genauso wichtig, finanziert werden.

Die vorgestellten Unternehmen waren allesamt eminent praktisch, und man könnte sie sich auch gut für den deutschen Markt vorstellen. Pablo Arredondo präsentierte sein Unternehmen CaseText, mit dem es möglich ist, automatisch Gerichtsentscheidungen zu Klageschriften und anderen Schriftsätzen zu finden. Casetext ist seit ca. drei Jahren am Markt und wird bereits von vielen Kanzleien eingesetzt.

Dann präsentierte Gurinder Sangha sein Unternehmen LexCheck, mit dessen Software man Dokumente auf Inkonsistenzen überprüfen kann – würde man es als hochintelligente Rechtschreibkontrolle beschreiben, käme man ihm kaum nahe, denn die Software deckt Widersprüche in umfangreichen Dokumenten auf. Mit diesen Arbeiten sind heutzutage immer noch junge Associates in großen Kanzleien beschäftigt, und die Software hat hier tatsächlich das Potential, solche Arbeit zu ersetzen.

Dann präsentierte Stephen Kane sein Unternehmen ArbiClaims, eine Plattform zur Konfliktlösung. Cian O’Sullivan präsentierte sein Unternehmen Beagle. Seine Software kann Vertragsinhalte lesen und verstehen und ermöglicht gleichzeitig die gemeinsame Bearbeitung komplexer Dokumente. Das klingt für den anwaltlichen Normalverbraucher nicht so lebenswichtig, aber unsere Mitreisenden aus Großkanzleien saßen wie bei LexCheck buchstäblich auf der Stuhlkante, weil diese Software den immer noch sehr umständlichen Prozess des Drafting erheblich vereinfacht.

Weiterhin präsentierte Aaron Rosenberg das schon eher etablierte Unternehmen Globality, eine Plattform für Anwälte und Mandanten. Dann gab es die Präsentation einer auch schon etablierten Software namens effacts, mit der Unternehmensjuristen ihr Know-how besser managen können. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass es von Wolters Kluwer aufgekauft wurde. Inzwischen ist es auch in Deutschland erhältlich. Der Gründer von effacts, Harm Bavinck, arbeitet am CodeX an einem Projekt zu programmierten Verträgen.

Das alles an einem Vormittag – schon sehr beeindruckend. Was aus diesen Unternehmen wird, kann niemand sagen, aber es sind samt und sonders tolle Ideen, die tatsächliche Bedürfnisse adressieren und erste wirtschaftliche Erfolge haben. Werden sie das nächste Google? Darauf kommt es nicht an. Jedenfalls wird etwas aus ihnen werden.

Nachmittags dann eine Sightseeing-Tour zu den Oldies des Silicon Valley: Google, Intel und zu Apple. Auf der Fahrt dorthin kommt man an vielen weltbekannten Namen vorbei, und es wird deutlich greifbar, warum Christoph Keese das Silicon Valley als „mächtigstes Tal der Welt“ bezeichnet hat. Google ist ein eigenes Stadtviertel, Intel ist noch am ehesten das, was man mit einem klassischen Unternehmen vergleichen könnte, denn da wird ja auch was produziert. Apple in Cupertino ist wiederum ein „Campus“, umgeben von einer ovalen Straße, der Infinite Loop. Die Gebäude sehen so gar nicht nach Apple aus, eher langweilige postmoderne Verwaltungsarchitektur. Dort gibt es natürlich auch einen Apple Store, der verglichen mit anderen Stores eher klein und unspektakulär ist, aber: Dort gibt es Tassen, T-Shirts und andere lebenswichtige Gadgets mit dem Apple Logo, die es in keinem anderen Apple Store auf der Welt gibt. Apple wird demnächst eine neue Zentrale beziehen, ein kreisrundes Gebäude, das wie ein gerade gelandetes Raumschiff aussieht und alle vorstellbaren Dimensionen sprengt. Oliver Allesch schickte gleich seine Drohne los, um uns mit exklusiven Bildern zu versorgen.
Auf der Rückfahrt fahren wir noch an der berühmten Garage vorbei, in der Steve Jobs und Steve Wozniak damals angefangen haben.


Am Ende des Tages, nach den Start Ups und Apples und Googles und den grandiosen Erfolgen dieses Tals muss ich an eine Rede denken, die Steve Jobs im Jahr 2005 vor Absolventen der Stanford University gehalten hat und die als Stanford Commencement Address berühmt geworden ist. Er hielt sie nach seiner Krebserkrankung, die er damals ausgeheilt glaubte, und 1 ½ Jahre vor seiner Ansprache im Januar 2007, als er das iPhone präsentierte. Danach hat sich bekanntlich die Welt verändert. Sehr lesens- und hörenswert.

Markus Hartung

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