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11.04.2017

Nr. 7: Die coolste Kaffeefahrt der Branche... – Legal Tech Tour

Silicon Valley Reisetagebuch 2017 von Markus Hartung

... so hat Ulrike Barth von Juve bei twitter unsere Fahrt betitelt. Kaffeefahrt... Juve ist bekannt für feinsinnigen Humor, das merkt man jährlich bei den Awards. Aber ob Kaffeefahrt, Bildungs- oder Vergnügungsreise – die Reise ist vorbei, fast alle sind wieder wohlbehalten in Deutschland, bis auf zwei Teilnehmer, die noch ein paar Tage USA drangehängt haben. Noch kann niemand genau sagen, was ihn oder sie am nachhaltigsten beeindruckt hat, und ich finde es auch noch zu früh, die verbindliche Botschaft zu verkünden.

Begonnen habe ich meinen Reisebericht mit einer gewissen Zurückhaltung, was Gruppenreisen angeht. Die hat sich auch nicht geändert, grundsätzlich. Aber in diesem Fall... irgendeine höhere Instanz hatte eine besonders glückliche Hand bei der Zusammenstellung dieser Gruppe. Das bezieht sich auch auf die berufliche Herkunft der Gruppenteilnehmer: Aus Verlagen, Kanzleien unterschiedlicher Größe, Wissenschaft, Dienstleister, Consulting, Verbänden.

Und das waren die Teilnehmer, oder „who is who in the zoo“, wie man neuerdings sagt: Zunächst die Veranstalter, von Soldan René Dreske (Geschäftsführer) und Oliver Schwartz (Leiter Legal Tech), Oliver Schwartz hatte die ganze Reise auch organisiert. Von Wolters Kluwer Deutschland waren Ralph Vonderstein (Geschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereichs Legal Software), Marc Morawietz (Leiter Marketing und Kommunikation) und Johannes Klostermann (Leiter Publishing) dabei.

Es waren aber noch mehr Verlagsleute mit auf der Reise, nämlich André Schaper, Geschäftsbereichsleiter Elektronische Medien beim Verlag Otto Schmidt, Markus Sauerwald vom RWS-Verlag (er hat auch regelmäßig über die Reise auf seinem Blog geschrieben), Wolfgang Pichler und Peter Guggenberger vom Manz Verlag in Wien und Christian Niklaus, CTO von Swisslex in Zürich. Das Interesse der Verlage ist kein Zufall: Auch Verlage müssen ihr Geschäftsmodell neu erfinden, und da gibt es im Silicon Valley eine Reihe von Start Ups, mit deren Ideen und Technologien man aus den noch sehr heutigen Online-Datenbanken moderne Recherche- und Wissenstools von morgen machen kann. Dass Verlage damit in heftige Konkurrenz zu Anwälten treten können, ist ein anderes Thema (aber es wird ein Thema!).

Dann waren eine Reihe von Anwälten in der Reisegruppe, aus großen und kleinen Kanzleien: Felix Scheder von Freshfields Bruckhaus Deringer und Frederik Leenen von CMS Hasche Sigle, beide Associates, die innerhalb ihrer Kanzleien eine Sonderzuständigkeit für Legal Tech haben. Von CMS Hasche Sigle war auch Torsten Schwarz dabei, Head of Systems and Business Projects. CMS ist nicht nur nach Köpfen Deutschlands größte Kanzlei in den Top100, sondern auch am weitesten, was den Einsatz von Legal Tech angeht.

Aber Interesse gibt es nicht nur bei den Großsozietäten. Zur Gruppe der Anwälte gehörte z.B. Oliver Allesch, Einzelanwalt in einer Bürogemeinschaft in Essen, Vorsitzender des Essener Anwalt- und Notarvereins e.V. Einige der von ihm bearbeiteten Rechtsgebiete gehören zu denen, die einem als erstes für die Automatisierung einfallen, aber Oliver Allesch ist der lebende Beweis dafür, dass menschliche Anwälte den Maschinen noch weit überlegen sind. Dann Christian Solmecke, sicherlich einer der bekanntesten Anwälte im IP/IT-Recht in Deutschland, ein sehr unternehmerischer Anwalt in einer mittelständischen Kanzlei und absoluter Profi im Marketing: Sein YouTube-Channel hat gut 81.000 Abonnenten, seine Kanzlei und er haben dort 1.626 Videos zu aktuellen Rechtsfragen eingestellt. Eins der Videos zur Frage, ob man sich gegen eine Polizeikontrolle wehren darf, hatte über 120.000 Aufrufe. Weiterhin Nikolai Kröger, der gerade mit einem neuen anwaltlichen Geschäftsmodell an den Markt gegangen ist, dann Rolf Müller und Sandrina Tripolt, zwei Kollegen aus der Schweiz.

Sodann Daniel Fingerle, Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied im Deutschen Anwaltverein. Vom DAV war auch Nicole Narewski dabei, sie ist Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss IT-Recht (davit). Innovation und Legal Tech spielen für den DAV eine wichtige Rolle. Schon im Jahr 2013 präsentierte er die bekannte Zukunftsstudie der Anwaltschaft. Der kommende Anwaltstag in Essen wird sich ausschließlich mit diesen Themen befassen. Von der BRAK war niemand dabei, dafür aber der Kollege Leif Böttcher von der Bundesnotarkammer, denn aus Sicht der Notare spielt die Digitalisierung eine zentrale und wichtige Rolle.

Mit Thomas Wiegmann und Thomas Golle von Advoservice sowie Galina Rueth waren auch Consultants vertreten. Alle drei beschäftigen sich schon seit langem mit Technologie in der Rechtsbranche, viel länger als es den Begriff Legal Tech gibt.

Last but not least: Deutsche Start Ups waren auch dabei. Philipp Kadelbach von Flightright, Henrik von Wehrs von Streamlaw.de und schließlich Michael Friedmann von 123recht und frag-einen-anwalt.de – strenggenommen zählt er nicht mehr zu den Start Ups, denn sein Unternehmen gibt es bereits seit dem Jahr 2000, seine beiden Plattformen haben jeweils weit über 400.000 Nutzer.

Das war die Gruppe – sehr interessante Zusammenstellung, es ging immer sehr lebhaft zu, es gab viele interessante Gespräche, oft war es extrem lustig, bzw. nicht für alle lustig, als die Drohne von Oliver Allesch, die uns immer mit tollen Fotos versorgt hatte, in die San Francisco Bay stürzte. Insgesamt eine sehr inspirierende Woche.

Und vielleicht haben Gruppenreisen doch was für sich.

Markus Hartung

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